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Ursodeoxycholsäure ist eine körpereigene Gallensäure, die seit den 1950er Jahren auch therapeutisch eingesetzt wird. Sie gehört zu den wenigen Gallensäuren, die den Leberstoffwechsel schützen, indem sie schädliche, zellschädigende Gallensäuren verdrängt und so eine leichtere Flussbahn der Galle ermöglicht. In vielen Ländern gehört UDCA heute zu den Standardbehandlungen bei bestimmten Leber- und Gallenwegserkrankungen.

Als Arzneimittel wird UDCA (auch Ursodiol genannt) meist in Tabletten- oder Kapselform angeboten. Es kommt in der Regel als synthetisch hergestellte, gut standardisierte Zubereitung auf den Markt. Die Behandlung zielt darauf ab, die Zusammensetzung der Gallensäfte zu verbessern und Entzündungen zu mindern, damit Leberzellen besser arbeiten können.

Der Wirkmechanismus ist dabei zweigeteilt: Zum einen ersetzt UDCA relativ hydrophille Gallensäuren und mindert deren schädliche Wirkung auf Leberzellen. Zum anderen beeinflusst es den Entzündungs- und Apoptosepfad in cholestatischen Prozessen. Klinisch bedeutet das oft bessere Leberwerte, weniger Juckreiz und eine stabilere Leberfunktion – natürlich abhängig von der Grunderkrankung.

Zur Anwendung gehört eine enge Abstimmung mit dem Arzt. Die Dauer der Behandlung variiert stark: Bei PBC oft dauerhaft, bei akuten Steinformen zeitlich begrenzt. Über die Jahre hinweg werden regelmäßig Leberwerte, Blutbild und ggf. Bildgebung überprüft, um die Wirkung zu beurteilen und Nebenwirkungen früh zu erkennen.

Was Ursodeoxycholsäure behandelt

Indikationen reichen von Primärer biliärer Cholangitis (PBC) über bestimmte cholestatische Erkrankungen bis zur intrahepatischen Cholestase in der Schwangerschaft (ICP). Bei PBC stabilisiert UDCA typischerweise die Leberwerte, kann Pruritus lindern und den Krankheitsverlauf verlangsamen. Die Therapie beginnt meist, sobald die Diagnose bestätigt ist, und wird je nach Reaktion fortgeführt.

Bei Cholesterin-Gallensteinen in der Gallenblase kann UDCA helfen, kleine Steine aufzulösen oder deren Entstehung zu verhindern, wenn eine Operation nicht möglich ist. Erfolg hängt wesentlich von der Größe, der Steinsorte und der Anatomie ab. Größere oder pigmentierte Steine sprechen weniger gut auf UDCA an.

Bei intrahepatischer Cholestase der Schwangerschaft (ICP) wird UDCA verwendet, um den Gallensekretfluss zu verbessern und Pruritus zu lindern. Das Medikament wird in der Regel sicher während der Schwangerschaft eingesetzt, jedoch unter enger ärztlicher Kontrolle aufgrund der besonderen Situation von Mutter und Kind.

Bei Primär sklerosierender Cholangitis (PSC) kann UDCA in niedrigeren Mengen sinnvoll sein, in manchen Fällen wird auch eine Hochdosierung geprüft. Die Datenlage ist nicht eindeutig; manche Patientinnen profitieren, andere nicht. Die Entscheidung trifft der behandelnde Facharzt anhand von Leberwerten, Beschwerden und individuellen Risiken.

Praktischer Nutzungsleitfaden — Einnahme, Mahlzeiten, vergessene Dosen, Lagerung

Die Dosis wird vom Arzt individuell festgelegt. Allgemein liegen die Orientierungswerte bei 8–10 mg/kg/Tag bei Gallensteintherapie, aufgeteilt in zwei Teilgaben. Für PBC oder andere Lebererkrankungen liegen oft höhere Gesamtmengen von 13–15 mg/kg/Tag in zwei Dosen. Die Einnahme erfolgt regelmäßig, idealerweise morgens und abends.

UDCA wird mit Wasser geschluckt und möglichst zu den Mahlzeiten oder direkt danach eingenommen. Das unterstützt die Verträglichkeit und verbessert die Aufnahme im Darm. Falls Sie Übelkeit verspüren, sprechen Sie mit Ihrem Arzt; manchmal hilft eine Einnahme mit einer größeren Mahlzeit.

Was tun, wenn eine Dosis vergessen wird? Nehmen Sie die verpasste Dosis so bald wie möglich ein – außer es ist fast Zeit für die nächste. Verdoppeln Sie niemals eine Dosis, um eine vergessene nachzuholen. Wenn Sie regelmäßig Dosen vergessen, informieren Sie Ihren Arzt; ggf. wird die Einnahmefrequenz angepasst.

Interaktionen und begleitende Medikamente: Bestimmte Mittel wie Gallensäure-bindende Substanzen (z. B. Cholestyramin) können UDCA weniger effektiv machen. Nehmen Sie solche Präparate zeitlich versetzt ein. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, Präparate oder pflanzliche Mittel, um Wechselwirkungen zu vermeiden.

Aufbewahrung und Haltbarkeit: UDCA in der Originalverpackung aufbewahren, trocken, lichtgeschützt. Raumtemperatur ca. 15–25°C. Verfallsdatum beachten und keine Tabletten verwenden, wenn die Verpackung beschädigt ist oder der Inhalt anders aussieht.

Beobachtung des Behandlungserfolgs: Halten Sie engen Kontakt mit Ihrem Arzt, besonders in den ersten Wochen der Behandlung. Falls sich Leberwerte verschlechtern oder keine Besserung eintritt, sollte eine Anpassung der Therapie erfolgen. Geduld ist oft gefragt: Veränderungen zeigen sich meist erst nach einigen Wochen bis Monaten.

Was Sie bei Nebenwirkungen beachten sollten

Nebenwirkungen treten nicht bei allen Nutzerinnen oder Nutzern auf, sind aber möglich. Häufige Beschwerden sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall. Leichte Kopfschmerzen oder Schwindel können ebenfalls vorkommen. Viele dieser Effekte klingen mit der Zeit ab.

Gelegentlich kann UDCA Juckreiz hervorrufen, insbesondere zu Behandlungsbeginn oder bei Dosiserhöhung. Auch Veränderungen der Leberwerte oder anderer Blutwerte sind möglich; regelmäßige Blutuntersuchungen helfen, das Nutzen‑ und Sicherheitsprofil zu überwachen.

Schwere Nebenwirkungen sind selten. Dazu gehören Anzeichen einer allergischen Reaktion (ausgeprägter Hautausschlag, Atemnot, Schwellungen) oder Anzeichen eines Leberversagens (starke Oberbauchschmerzen, Gelbfärbung der Haut oder Augen, zunehmende Müdigkeit). Suchen Sie sofort medizinische Hilfe, falls solche Symptome auftreten.

Bei Verdacht auf Wechselwirkungen oder unerwartete Reaktionen sollte die Therapie nicht eigenständig verändert werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie neue Medikamente beginnen – sowohl verschriebene als auch rezeptfreie Präparate oder Kräuterstoffe können Einfluss haben.

Wann Sie einen Arzt konsultieren sollten

Bei UDCA-Therapie sind regelmäßige Kontrollen wichtig: Blutuntersuchungen der Leberwerte, Beobachtung von Beschwerden und Nebenwirkungen. Einige Patientinnen bleiben jahrelang in Behandlung, andere brechen die Therapie ab, wenn der Nutzen nicht mehr erkennbar ist oder Nebenwirkungen auftreten. Befolgen Sie stets den ärztlichen Plan und melden Sie auftretende Probleme zeitnah.

Informieren Sie den Arzt über alle weiteren Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Präparate. Schwangerschaft oder Stillzeit erfordern besondere Beratung; ICP erfordert engmaschige Betreuung. Bei Verdacht auf ICP oder plötzliche Verschlechterung der Leberwerte sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe suchen.

Im Notfall gilt: Wenn Sie plötzlich starkes Unwohlsein, Atemnot oder Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion bemerken, suchen Sie sofort medizinische Hilfe oder die Notaufnahme auf. Halten Sie vorab erreichbare Notfallkontakte bereit, damit im Ernstfall schnell gehandelt werden kann.

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Tobias Schäfer
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Tobias Schäfer
Approbierter Apotheker, Fachapotheker für Klinische Pharmazie, Chefapotheker (Leiter der Pharmazieabteilung)